Kulturschichten Potsdam 2004

Kulturschichten Potsdam 2004

Brigitte Burgmer * Verena Kyselka * Deva Wolfram * Dieter Meermeier

Pavillon Freundschaftsinsel, 25.6–25.7.2004

Schichtgeschichten

Der Klimawandel ist mehr als erhöhte Lufttemperatur, trockenere Sommerregen und wärmerer Winterschnee. Ganze Landschaften können sich verändern, schleichend überwuchert von einst fernen Arten, die sich plötzlich heimisch fühlen. Kohlekraftwerke lassen an fremden Orten Palmen sprießen und die Eisheiligen jede Kirschblüte in Frieden. Eichen werden zu Steineichen. Die wuchtige Mikrofauna in jedem Gramm Boden transformiert sich fernab der Paragraphen eines Zuwanderungsgesetzes. Scheinbarunscheinbar schichtet sich die Welt neu – wahrgenommen nur dort, wo Fluten die gehuldigte Oberfläche überfluten.

Schichten schichten Unterschichten. Doch unten ist oben ist Erde ist Blatt ist Wurzel ist Baum. Der Boden ist Nährer und Verzehrer, Ausspucker und Verschlucker zugleich. Er trägt und erträgt selbst die in ihre tragende Rolle Verliebten. Und fühlt sich geschmeichelt durch die vom Windhauch gepflückten Rosenblätter.

Kulturschichten” lenken den Blick auf solche Schichtgeschichten. Ein Ausstellungsprojekt, zum dritten Mal realisiert. Jetzt Potsdam, nach Siegburg, nach Gotha. Zeitschichten in Raumschichten. Drei Künstlerinnen und ein Landschaftsplaner präsentieren Visionen, Projektionen, Objektionen, gebettet zwischen Glaskuben, Parkanlagen und der Frage: Was wird?

Der Pavillon

Die Stadt Potsdam erstrahlt zunehmend in sichtbarem Glanz ihrer Architektur und Grünanlagen. Doch hinter und unter dieser von Menschen gestalteten Oberfläche gibt es unzählige weitere Schichten. Sie sind ebenso human geprägt und betrachtenswert – auch wenn sie selten wahrgenommen werden. Die Ausstellung „Kulturschichten Potsdam 2004”, die vom 25. Juni bis 25. Juli 2004 im Pavillon auf der Freundschaftsinsel in Potsdam stattfindet, unternimmt dieses Experiment.

Die Künstlerinnen Brigitte Burgmer, Verena Kyselka und Deva Wolfram sowie der Vegetationskundler Dieter Meermeier haben im Rahmen dieses Projekts den gesamten Pavillon umgestaltet. Die Gemälde, Objekte, Installationen und Projektionen setzen sich mit dem Wirken des Menschen auf die Umwelt auseinander. Künstlerisch, wissenschaftlich, kritisch gewähren sie Einblicke in das vielschichtige Zusammenwirken von Natur und Kultur in Potsdam und Umgebung.

Die Ausstellung

Diese Werke sind in den Glasfronten des 15 × 15 Meter großen Ausstellungs-Pavillons für einen Monat permanent von aussen zu sehen: Große Fotoporträts von verblühten Rosen, genau so schön wie die Gesichter alter Menschen; Leinwandbilder von 6 m² Größe mit je 150–300 Namen von essbaren Wildpflanzen in Italienisch, Französisch, Englisch, Türkisch und Deutsch; 44 auratische Landschaften auf Gold – vor und nach dem gentechnischen Sündenfall; Lackabzüge von Erdschichten aus dem tropischen Tertiär und der Eiszeit zum „Spurenlesen” in 5 Millionen Jahren Erdgeschichte. In den Spiegelbildern erscheinen Foersters Stauden, der Rosengarten und die Wasserspiele des Insel-Gartens.

Das Innere der Ausstellung bilden: Eine Erdformation aus klimatologisch geschichtsträchtigen Sanden und Humus aus dem Bornimer Feld mit einem allmählich schmelzenden Eiskeil; Termitenhügel in Monokultur; Videoprojektionen von globalisierten Heimatbildern als neue Welten-Landschaften.

Das Podiumsgespräch

Im Rahmen der Ausstellung blickt eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde auch in die Zukunft: „Wie kann, soll und wird sich die arkadisch gestaltete Kulturlandschaft Potsdams bis 2050 entwickeln?”, lautet die Frage, anhand der Künstler und Wissenschaftler in einem öffentlichen Podiumsgespräch Entwürfe zur klima-kulturellen Schichtung Potsdams diskutieren. Die Klimaprotokollanten sind:

  • Dr. Dieter Fischer, Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung, Brandenburg
  • Dr. Manfred Stock, Leiter Regionalforschung Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
  • Dr. Joachim Wächter, GeoForschungsZentrum Potsdam
  • Deva Wolfram, Kulturschichten
  • Dieter Meermeier, Kulturschichten
  • Dr. Sören Schöbel, freier Landschaftsplaner

TERMIN PODIUMSGESPRÄCH: 2. Juli, 17 Uhr, Kunsthaus Potsdam, Ulanenweg 9, Potsdam.

Ausstellungsort & Öffnungszeiten

Pavillon auf der Freundschaftsinsel (gegenüber Alter Markt nahe Hauptbahnhof Potsdam). Zugänge von Langer Brücke und Burgstraße. Der Pavillon steht zwischen Rosengarten und Wassergarten.

Die Installation im Inneren des Pavillons ist Mi-Fr 13-18 Uhr und Sa-So 12-18 Uhr kostenfrei zu besichtigen.

Das „Kulturschichten”-Projekt wird von einem Materialband begleitet (Kosten: 6,00 €).

Weitere Infos, Fotomaterial, Pressekontakt:

Deva Wolfram, Fon (0173) 277 23 68
Email: devawolfram@hotmail.com